Meine Lieben,
ich liebe das Kaufen von hübschen Notizbüchern.
Egal wo ich bin, überall gibt es Notizbücher die in wunderschönen Einbänden stecken. Sehe ich eins, dann muss ich es einfach mein eigen nennen.
Erst im Laufe der Zeit zeigt sich für mich, für was sie gut sind.
Anfangs steckte ich die Notizbücher einfach nur in eine Schublade und gut war es. Wenn ich ein Büchlein brauchte, ging ich mir meist ein neues Buch kaufen. Meine Schätze hatte ich vergessen.
Deshalb habe ich sie jetzt in meinem Bücherregal gestapelt. Das hat den einen Vorteil, dass ich daran denke, Notizbücher zu haben. Den weiteren Vorteil, dass ich den Anblicke der herrlichen Einbände genießen kann. Außerdem, und das ist die Krux des ganzen, nutze ich sie!
In ganz schweren Zeiten hat mir ein Notizbuch schon so manche Beziehung gerettet, insbesondere die Beziehung zu mir selber.
Eine kluge Frau, oder nennen wir es beim Namen, vor zweiundzwanzig Jahren hat mir meine damalige Scheidungstherapeutin einen wichtigen Rat gegeben.
„Wenn du ein Problem hast, dann führe ein schlechte Seiten-gute Seiten Notizbuch. Es ist beendet, wenn die gute Seite voller ist als die schlechte Seite. Kaufe dir ein schönes Notizbuch, ein Buch, dass du gerne in die Hand nimmst. Ein Buch das deine Augen erfreut, wenn du sein Äußeres siehst. Es soll für dich ein Hingucker sein. Schlage die erste Doppelseite auf und beschrifte die linke Seite mit einer Überschrift, die für dich das Negatives ausdrückt: schlecht, negativ oder einen negativen Smiley und die rechte Seite mit gut, positive oder einem lächelnden Smiley. Falls du Linkshänder bist, dann gestalte es umgekehrt, rechts das Negative, links das Positive. Dein Blick soll immer das Positive erfassen.“
Ich kaufte mir ein schönes Buch, beschriftete die Seiten mit Positiv und Negativ und legte los.
Meine Wut auf eine Kollegin war so groß, die linke Seite war ruck zuck voll. Ich schrieb noch in die Zwischenzeilen und die Ränder waren auch bekritzelt. Die rechte Seite war leer. Ich brachte es zu drei Äußerlichkeiten, das war es.
Bei der nächsten Nutzung floss zwar Negatives aus meiner Feder, da aber Wiederholung nicht gewünscht sind, war die Spalte gut gefüllt, aber nicht mehr überfüllt. Dafür fiel mir so einiges positive über meine Kollegin wieder ein, wie sie lächelt, wie ihr Kaffee schmeckt, wie gut sie sich kleidet oder wie liebevoll sie von ihren Kindern erzählt.
Bei weiterer Nutzung meines Büchleins verschoben sich die Proportionen und genau so verschob sich die meine Sichtweise. Nicht meine Kollegin veränderte sich, aber meine Wahrnehmung und das tat unserer Beziehung soooo… gut. So wie sich die positive Seite füllte, so verbesserte sich unser Arbeitsklima. Seit dem führten wir ein freundschaftliches Arbeitsverhältnis.
Ich nutze dieses System des Öfteren. Manchmal bedarf es keines Notizbuches, sondern einfach nur eines Blatt Papieres, das durch einfaches Falten zu zwei Spalten gelangt.
Auch in der Beziehung zu mir selber nutze ich mein gute Seiten-schlechte Seiten Buch. Es lehrt mich meine positiven Seiten, meine Beziehung zu mir selber und zu anderen zu reflektieren, meinen Tunnelblick auf das Negative aufzugeben und mich wieder als Ganzes mit meinen positiven und negativen Facetten wahrzunehmen und anzunehmen.
Meine Notizbücher haben mir auf diese Weise schon oft das Leben versüßt. Deshalb werde ich auch beim nächsten hübsch eingebundenen Notizbuch meine Geldbörse zücken und es dann mein eigen nennen.
Kleiner Tipp, mit so netten Büchlein im Haus hat man auch immer ein zauberhaftes kleines Geschenk zur Hand.
Ich sende euch lächelnde Grüße,
Eure Birgit
